TAG: “Lesen bildet?”
Hab mir beim Chaosweib diesen TAG geklaut, da sie sich, ob der Gewichtigkeit des Themas, niemanden direkt taggen wollte. Nun, ich fand das Thema interessant, also hab ich mich an den Fragen bedient. Anders als Jutta ist's mir dabei auch ziemlich egal, wenn sich ein empfindsamer Leser auf den Schlips getreten fühlt. ;) Ich hab ja noch nie mit meiner Meinung hinterm Berg gehalten, also fange ich hier auch nicht damit an. Der TAG stammt ursprünglich von Lilaeulenkind, einer Vloggerin auf YouTube. Natürlich kann man sich das Video auch direkt vor Ort ansehen um ihre Überlegungen zum Thema zu erfahren. Ebenso wie Jutta, ignoriere ich die generelle "Ich kann lesen" Fertigkeit des Durchschnittsbürgers (und ja, dabei bin ich mir durchaus bewusst, dass es nach wie vor genug Analphabeten in Deutschland gibt) sondern beziehe ich mich direkt auf das "Lesen" von Büchern und ähnlichen Medien.
Bevor der geneigte Leser auf "Weiterlesen" klickt: Dieser TAG wird sehr textlastig. Wer also keine Lust auf längere Fließtexte hat, der sollte nicht weitermachen. Für alle anderen: Viel Spaß! ;)
Alsdann, die Fragen:
1. Ist Lesen nur etwas für intelligente/gebildete Menschen?
2. Welchen Einfluss hat der Schulabschluss/die Ausbildung auf die Literaturauswahl?
3. Muss man die Klassiker gelesen haben um gebildet zu sein? Warum?
4. Sinnfreie und sinnvolle Schullektüre? Beispiele?
5. Haben Bücher einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Charakters/der Persönlichkeit? Welchen?
6. Wie kann man Menschen zum Lesen animieren?
7. Gibt es Bücher die "Dümmer'" machen? Welche?
8. Wer nicht liest bleibt dumm?
[important title="1."] Ist Lesen nur etwas für intelligente/gebildete Menschen?[/important]
Ich fange mal mit einem provokanten "Ja, natürlich." an. *zwinker* Was ich damit meine ist, dass schlicht ein gewisser Grund vorhanden sein muss, auf dem das Zu-Lesende aufbauen kann. Dabei muss natürlich beachtet werden, dass Intelligenz per se (meiner Meinung nach) generell nicht unbedingt mit einem gewissen Ausbildungs- oder Lehrstand zusammenhängt. Die Vielgerühmte Allgemeinbildung ist schließlich ebenso ein Wissensschatz, der NICHT an Hochschulen und Unis gelehrt wird. Aber auch, wenn das Internet das gerne von sich weist, es gibt tatsächlich dumme Menschen! Menschen, die entweder aufgrund von Veranlagung, Desinteresse, Faulheit, äusseren Umständen, sozialem Status oder einer Googol* Googol [ˈguːgɔl] ist eine englischsprachige Bezeichnung für die Zahl
. Das entspricht einer 1 mit 100 Nullen. anderer Gründe (oder einer Kombination derselben) einfach nichts dafür tun, ihre Gehirn zu trainieren, zu befüllen oder ganz allgemein ihren Geist in einem sonntagnachmittäglichen Dämmerzustand dahin vegetieren lassen. Solche Existenzen sind nachweislich dumm (geblieben). Das ist nicht schlimm, Dummheit ist schließlich kein Charakterzug, sondern ein Zustand. Ob und wie der Einzelne sich aus diesem Zustand heraus hilft, bleibt einem jeden selbst überlassen. Ob er die Schulbank drücken will, auf Weltreise geht oder im stillen Kämmerlein an der Weltformel der Elementarteilchenphysik herumrechnet, jede neue Aktion führt zu einer entsprechenden Reaktion: Der Mensch wird intelligenter. In dem Sinne, dass er Dinge tun kann, Dinge verstehen kann, die ihm bislang nicht möglich und nicht verständlich waren.
Und nun werfe ich einen Curveball: Auch dumme Menschen lesen. Vielleicht nicht unbedingt Faust II oder die gesammelten Werke von Schopenhauer - aber sie tun's trotzdem. Ob das nun Deutschlands wenigst-gelesene Tageszeitung ist, ob es ein frivoles Comicheft* Man beachte: ich bin großer Anhänger des gezeichneten Bildes in der Literatur. Naturgemäß gibt es aber Werke, die eher den niederen Instinkten zugewandt sind, als dem höheren Streben. Ich möchte damit keineswegs aussagen, dass Comics "nur etwas für Dumme sind", oder ähnliches. oder die Fernsehzeitung ist, spielt keine Rolle. Viele von ihnen lesen. Die Frage müsste also richtiger lauten: "Gibt es Werke, die eher von gebildeten als ungebildeten Menschen gelesen werden?" und da kommt meine Eingangsantwort zu tragen: Ja, die gibt es. Bedeutet das, dass ein dummer Mensch niemals Goethe oder Schiller lesen wird? Nein, das bedeutet es nicht. Entsprechendes Interesse oder prinzipieller Wille vorausgesetzt, wird sich auch ein dummer Mensch ein wie auch immer geartetes "intelligentes Buch" greifen und lesen. Nach meiner persönlichen Auffassung ist das dann jedoch bereits der erste Schritt, "nicht mehr dumm zu bleiben". Er wandelt sich also in meiner eingeschränkten Definition vom "dummen Menschen", hin zum "intelligenteren Menschen". Ob er jemals Quantenphysiker oder Dirigent der Londoner Philharmonie werden wird, sei dahin gestellt. Aber allein der Wunsch, etwas, das er nicht versteht (oder verstehen kann), zu begreifen, führt zu einem direkten Lernprozess - er wird intelligenter. Kurz: Ein jedes Lesen bildet. Gut, die Zutatenliste auf der Dose für Fertignudeln wird nicht unbedingt zu höherem Verständnis des Universums führen - aber hey, immerhin kann derjenige danach prima Tütensuppe köcheln. Etwas, das er vorher nicht gekonnt hat. Was auch ein (wenn auch geringer) Lerneffekt ist.
[important title="2."] Welchen Einfluss hat der Schulabschluss/die Ausbildung auf die Literaturauswahl?[/important]
Kurze Antwort: Wenig, bis gar keinen. Ausführliche Antwort: Es kommt nur insofern auf die Ausbildung oder den Schulabschluss an, als dass ein Mensch, der noch niemals etwas von Nietzsche gehört hat, wohl kaum in die Verlegenheit kommt, in einem Buchladen ausgerechnet nach "Also sprach Zarathustra" zu greifen. Was nicht bedeuten muss, dass soetwas niemals passiert, aber die Chancen stehen einfach schlecht dafür. Wesentlich raumgreifendere Gründe für ein Werk sind mMn die eigenen Interessen, das soziale Umfeld, die Arbeit (oder das Fehlen derselben) und äussere Einflüsse wie Vereine, Clubs oder auch Politik oder Weltgeschehen. Jemand, der sich für das Angeln interessiert, wird eher zu einem Buch über Köder und Ruten greifen, als nach einem Buch über Zucht und Pflege von Orchideen. Es sei denn natürlich, er ist ein fischender Zierpflanzengärtner. Der nimmt dann wohl beide Werke mit. ;) Mit anderen Worten wird die Wahl der Waffe nicht durch Abschluss und Ausbildung bestimmt, sondern der Bereich in dem bestimmte Literatur als "interessant und lesenswert" erachtet wird, erweitert und bereichert.
[important title="3."] Muss man die Klassiker gelesen haben um gebildet zu sein? Warum?[/important]
*lacht* Nein, muss man definitiv nicht. Warum? Nun, nehmen wir den seltsamen Egomanen, der diese Zeilen schreibt: Ich habe noch keinen der "großen Klassiker" gelesen. Ich habe es durchaus mehrmals versucht (bei Herman Melville habe ich es immerhin bis zum vierten Kapitel geschafft^^) - aber entweder setzt die gestelzte Sprache mir zu stark zu, oder das Thema ist einfach nichts, womit ich mich anfreunden kann. Bin ich deswegen ungebildet? Beileibe nicht. Ich besitze ein Fach-Abitur in BWL, habe Medieninformatik studiert und bin erfolgreich im Job. Darüber hinaus habe ich etwa um eintausend Druckbücher sowie an die einhundert eBooks in meiner Bibliothek, darunter ein Gutteil an Fachbüchern. Was also nun, da ich Faust nur aus Erzählungen kenne und mit der altenglischen Fassung von "A midsummer night's dream" vom Herrn Shakespeare mich so gar nicht anfreunden kann, bin ich nicht gebildet? Das ist amüsanterweise korrekt. Korrekt, sofern man sich auf Literatur bezieht - und nur darauf. Ich bin in der Lage, multimediale Inhalte im Internet in augenfreundlicher Form zu präsentieren (sprich, ich bin Webdesigner), ich vermag in drei verschiedenen Code-Sprachen zu programmieren, ich spreche drei Sprachen fließen und von zwei weiteren rudimentäre Brocken. Und so weiter und so fort. Blabla.
Aber bevor jetzt mein Ego vollends durch die Decke geht, ist, denke ich, der Punkt klargemacht: Man muss sicherlich nicht klassische Literatur gelesen haben, um Bildung vorweisen zu können. Das muss man nur, wenn man Bildung in klassischer Literatur nachweisen können will. Und nein, ich lasse NICHT gelten, dass man in einem philosophischen Disput nicht mitreden könnte, nur weil man die "Gesamtausgabe von Platons Werken, von Henri Estienne" nicht gelesen hat. Sobald ich anfange, darüber nachzudenken, philosophiere ich ja bereits. Ob ich dabei auf neue Ideen stoße, oder alte Ideen wiederentdecke, die bereits die alten Griechen überdacht hatten, ist dabei nicht maßgeblich. Ich beschäftige mich mit der Frage, ich denke darüber nach, ich setz mein Gehirn ein - und somit auch mein Wissen, meine Bildung. Sicherlich würde es nicht zum Nobelpreis reichen. Aber für eine intellektuelle Unterhaltung gehobenen Niveaus bestimmt. Und jede Aussage meines Gegenübers, die etwas Neues enthält, macht mich ja auch nicht dümmer, sondern reicher an Bildung. Nur eben in einem mir eher fremden Bereich. Umgekehrt wäre es ja auch vermessen zu sagen, ein Doktor der Philosophie sei ungebildet, weil er den Unterschied zwischen php und xhtml nicht kenne. Schlussendlich, es ist sicherlich nicht schädlich gewisse klassische Werke gelesen zu haben. Um gebildet zu sein, sind sie aber nur Hilfswerk, nicht Voraussetzung.
[important title="4."] Sinnfreie und sinnvolle Schullektüre? Beispiele?[/important]
Bei sinnvoller Lektüre fiele mir ad hoc entweder "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" und "Tagebuch der Anne-Frank" ein - zwei Bücher, die sich nicht nur einzig als Übungsobjekt für den Deutschunterricht nutzen lassen, sondern darüber hinaus auch einen Blick in die eigene Geschichte unseres Landes vermitteln. Es gibt sicherlich noch mehr solcher Bücher, die nicht einzig als Anschauungsobjekt für "Versmaß und Bedeutung" zur Textanalyse benutzt werden, sondern dabei auch eine zweite, hintergründige Vermittelungsfunktion bieten. Im Falle meiner beiden Beispiele wäre das ein semi-faktischer, geschichtlicher Einblick in die Kriegsjahre und das Dritte Reich. Ich habe in meiner Schulzeit beide gelesen - und fand besonders das "Tagebuch" sehr beeindruckend und beeinflussend. Womit ich wohl eine Ausnahme war. *kicher* Generell muss ich dazu natürlich sagen, dass es "damals" (Gott, klingt das alt) wenig echte Jugendliteratur gab. Entweder waren es Kinderromane (die dann eher zum Vorlesen geeignet waren), oder Bücher für Erwachsene. Was nicht SO problematisch ist - aber ich kann mir gut vorstellen, dass die Resonanz in den Schulen und Stufen damals weitaus positiver gewesen wäre, wenn es Bücher mit einem Inhalt, der NICHT an den Lesern vorbei geht, gegeben hätte. Heutzutage gibt es diese Bücher. HABT IHR GEHÖRT, IHR DEUTSCHLEHRER? ^^
Als Gegenbeispiel gibt es in meiner Schulzeit nur ein Buch, dieses dafür um so drastischer: "Offene Zweierbeziehung" von Dario Fo und Franca Rame. Auf den Theaterbühnen wurde und wird diese Geschichte gefeiert und auch das Buch hat Lobeshymnen noch und nöcher einkassiert. Ob zu Recht, das mag ein Literaturkritiker beurteilen - ich habe jedenfalls in meiner Schulzeit jede Zeile des Buches gehasst und konnte mit den esoterisch-mysteriösen Schlüssen, die meine damalige Deutschlehrerin uns aus dem Buch ziehen ließ, nichts anfangen. Gar nichts. Von Anfang bis zum Ende. Es war weder schreiberisch, noch inhaltlich angenehm zu lesen (dies ist selbstverständlich Geschmackssache, aber in meiner Stufe waren wir uns alle dahingehend einig), das Fazit das unserer Lehrerin gerne für eine 1 in der zugehörigen Arbeit lesen wollte, war hanebüchen und konstruiert, mehr an Deutungen und Ausarbeitungen von und mit Literaturkritikern angelehnt, als wirklich an die erzählte Geschichte. "Offene Zweierbeziehung" als Theaterstück habe ich nie gesehen - aber ich kann mir, je nach Schauspieler-Paar, durchaus vorstellen, dass es auf den Brettern die die Welt bedeuten, WEITAUS besser funktioniert, als in Buchform. Von A bis Z ein grausames Machwerk, bestens dazu geeignet, Schülern das Lesen auszutreiben oder ihnen zumindest eine gehörige Neurose bezüglich "klassisch gemachter" Literatur einzuimpfen. Vielleicht habe ich deswegen ja nie die "echten" Klassiker gelesen? ;)
[important title="5."] Haben Bücher einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Charakters/der Persönlichkeit? Welchen?[/important]
HARR! Was für eine schmackhafte Frage! Wunderbar. Zergeht förmlich auf den Augen. ;) Warum mich diese Frage so amüsiert? Weil es eine sehr diabolische Frage ist. Und zwar um die Ecke gedacht. Aber ich greife vor. Zunächst meine Antwort:
Nein, ich glaube nicht, dass Bücher einen wesentlichen Einfluss auf einen Menschen haben. Sicher gibt es da den einen oder die andere, wo es bei einem bestimmten Buch "Klick!" gemacht hat und sie danach ihre Jobs gekündigt haben um in Neuseeland Kiwis zu züchten. Aber die dürften eher die Ausnahme, denn die Regel sein. :) Weitaus wichtiger für einen Menschen sind die sozidemografischen Daten, in denen er lebt. Ohne groß Statistiken zu bemühen, wage ich die freche Prognose, dass aus einem sozialen Slum in Berlin weitaus weniger Menschen zu ihrem dreissigsten Lebensjahr einen Bachelor/Master/Doktortitel in der Tasche haben, als das bei den Menschen aus einem reichen Vorort der Fall ist. Ist halt so, ist sicherlich nicht schön und schon gar nicht begrüßenswert. Aber Bücher die den Charakter formen? Na, das muss mir erst noch einer zeigen.
Was finde ich nun an dieser Frage so unterhaltsam? Einfach: Das Medium "Buch" ist hierbei austauschbar - gegen jedes beliebige Hobby, oder jeder Art von Konsumgut. Ein politisch nach wie vor brisantes Thema in unserer Republik wäre (wer mich kennt, weiß warum ich dieses Beispiel nutze^^): "Machen Videospiele agressiv?" - oder "Haben Videospiele einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Charakters/der Persönlichkeit?" ... köstlich. Da ich weder dem einen, noch dem anderen Medium eine charakterformende Eigenschaft unterstelle, verneine ich diese Frage aufs vehementeste. Aber eine artverwandte Gegenfrage für den geneigten Leser: Wieviele der videospielenden Highschool-Amokläufer haben wohl in ihrem Bücherregal Thriller stehen? Thriller wie "Amok" von Richard Bachmann oder "Battle Royale" von Kōshun Takami? Think about it. :D
[important title="6."] Wie kann man Menschen zum Lesen animieren?[/important]
Oh, das ist sehr, sehr schwierig bis unmöglich. Das grundsätzliche Interesse muss in dem Menschen schon vorhanden sein oder entsprechend geweckt worden sein. In frühen Jahren denke ich, hilft viel Vorlesen - möglichst natürlich Geschichten, die das Kind gerne hören möchte. Und immer die Möglichkeit zu lesen bieten, in späteren Jahren. Ein Zehnjähriger, der im heimischen Bücherregal nur nichtssagende, graubraune Buchrücken sieht, ist wohl weniger neugierig, mal zwischen die Buchrücken zu gucken, als einer, in dessen Regal kind/jugendgerechte Bücher stehen - und wenn die sich auch noch mit faszinierenden Themen befassen, um so besser.
Im späteren Verlauf ist es mMn fast unmöglich, einen Nichtleser zum Lesen zu animieren. Ich zitiere eine Arbeitskollegin: "Also, eh ich son fettes Buch durch arbeite, da guck ich echt lieber die Verfilmung!". Dabei ging es um den Herrn der Ringe. Hätte ebensogut auch um ein xbeliebiges Buch von Karl May oder um Grass' "Die Blechtrommel" gehen können. Meine Kollegin liest keine Bücher. Und da ich in jeder Mittagspause lese, von ihrer Seite aber nie ein "Was liest du denn da?" oder "Worum gehts denn in dem Buch?" kam, ist de facto kein Interesse vorhanden (und das hat sie mir auch schon selbst gesagt). Beleg dafür ist eine weitere Kollegin, die bei fast jedem zweiten Buch nach Inhalt und Art des Buches fragt. Beinahe unnötig zu erwähnen, dass diese Kollegin immer auch ein kleines Schmökerwerk in ihrer Tasche hat. ;)
Aber eine grundsätzliche Aussage muss ich noch erwähnen, an der ich nach wie vor festhalte: Jeder, der NICHT liest, hat noch nicht das richtige Buch in den Fingern gehabt. So sehe ich das zumindest. Hätte ich nicht in früher Jugend (muss so vor etwas über zwanzig Jahren gewesen sein) von meinem Onkel den "Kleinen Hobbit" geschenkt bekommen... wer weiß, ob und wenn, was ich heute lesen würde. Für mich war der "Hobbit" ein Augen- und Geistesöffner sondergleichen. Jeder, der von sich also sagt "Ich les' nix!", der hat einfach noch keinen GRUND gehabt, es zu tun. Stichwort: "Täglich grüßt das Murmeltier". Wobei es natürlich auch einfach faule Geister gibt, denen das Lesen an sich zu anstrengend ist. Und am Ende kann man einfach nicht jedem Menschen zu seinem Glück verhelfen. Aber hey: Seit ich die beste Frau der Welt (meiner!) an meiner Seite habe, liest diese auch wieder mehr. Was mich freut. ^.^
[important title="7."] Gibt es Bücher die "Dümmer" machen? Welche?[/important]
Ich gestehe, bei dieser Frage habe ich bei Chaosweib gespickt - weil ich neugierig war, was sie dazu schrieb. Und ich schließe mich ihrem Schluss an - bis auf die falsche Schreibweise gibt es wenig, was einen Leser dazu bringen kann, nach dem Konsum eines Buches in ein sabberndes Häufchen Elend zu mutieren. Oder jedweder abgeschwächten Version desselben. Anders sähe die Sache aus, wenn es um ideologisch-psychologisch verfasste Bücher ginge, denn ein leicht beeinflussbarer Leser würde beim Konsum dann zwar sicher nicht "dümmer", aber er eignet sich vielleicht eine Sichtweise von Dingen an, die abstrus, grotesk oder schlicht falsch sind. Inbuchtrination von Gedankengut, quasi. Was, unter anderem, einer der vielen Gründe ist, warum die Redefreiheit so ein wertvolles Gut für die Menschheit ist. Und ebenso, warum jede Diktatur als erstes jedwede regimekritischen Bücher verbieten lässt - und deren Autoren meist verschwinden, wenn sie nicht rechtzeitig das Land verlassen.
[important title="7."] Wer nicht liest bleibt dumm?[/important]
Mhmm.. Lilaeulenkind reitet wirklich auf der Dummheit des Menschen herum, habe ich langsam das Gefühl. Nein, wer nicht liest, bleibt nicht dumm - Beweisführungen stehen in den oberen Fragen zuhauf. "Wer nicht liest, wird nicht schlauer." könnte ich vielleicht noch so grade gelten lassen, gäbe es nicht auch lehrreiche Fernsehsendungen (ja, es gibt ein Programm nach dem 'Restauranttester'!) und DVD-Publikationen. Oder Theater, Kino, das Internet, die Oper oder jedwede andere kulturschaffende Einrichtung. Also: Klares Nein. Wenn man einen theoretisch erdachten, wirklich und wahrhaftig dummen Menschen hernimmt und ihm KEINE Bücher gibt, bleibt er eben dumm. Nimmt man einen ebenso theoretischen Menschen, der noch nie ein Buch in die Hand genommen hat, der aber jede Menge wissenschaffender Filme geschaut und entsprechende Recherchen im Internet betreibt, und gibt DEM auch kein Buch - dann verpasst dieser zwar ebenso ein Multiversum von Erzählungen, aber er wird sich trotzdem weiterbilden, auch ohne Bücher. Bücher waren früher vielleicht die einzige greifbare Quelle für Wissen und Lehrmaterial - aber da sie das heute nicht mehr sind, sind sie in Konsequenz auch nicht dafür verantwortlich, ob ein Mensch "dumm" bleibt, oder nicht. Nähme man allen Schülern der Welt die Bücher weg und stellte die ganzen Informationen als Webseite ins Netz - hätten mehr Schüler einen Laptop und würden trotzdem schulisches Wissen vermittelt bekommen. Bücher sind nur mehr ein Instrument, nicht die allheilig machende Lösung.
Hach. Das hat Spaß gemacht. Ich danke wie immer fürs durchhalten und Lesen des TAGS, darüberhinaus Jutta für das Bekanntmachen und Lilaeulenkind fürs Nachdenken über recht knackige Fragen. Gerne mehr davon! Sofern sich jemand diesen TAG mitnehmen möchte, soll sie oder er das gerne tun - ich hab ihn mir ja auch "geklaut". ;)
2 Kommentare
Danke, das hat ja mal richtig Spaß gemacht. Mein Lieblingsthema die bösen, bösen Videospiele. Ist ja echt noch kein Politiker auf die Idee gekommen, dass die Thriller gelesen haben könnten. Oh, oh, nicht, dass die uns noch die Bücher verbieten. Obwohl ein FSK könnte bei manchen echt mal draufstehen. ;-)
Ich gestehe, ich habe noch nie drüber nachgedacht wie alt Du bist. (wg. "damals")
zu 7. Stimmt, es muss nicht alles gut und richtig sein, nur weil es in einem Buch steht.
Nicht gar so alt, wie es klingt - aber immerhin hab ich auch schon eine ganze Weile ne 3 vorne stehen. Eine FSK-Einstufung bei Büchern ist gar nicht so sinnfrei - zumal es ja früher die "Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften" war. Heute etwas moderner "jugendgefährdende Medien" - aber ein Buch ist auch ein Medium. Ändert also nix. ;)